Das Ziel ist klar: Der Rintelner Adrian Klingemann will zu den Olympischen Spielen

Foto: Bei den Deutschen Meisterschaften in Flensburg sahnt der Rintelner Adrian Klingemann (vorne links) im Coastal Rowing mit einer Gold- und drei Silbermedaillen so richtig ab.
Rudern. Adrian Klingemann ist ein Kilometerfresser. Für seinen Traum, die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2028 in Los Angeles oder vier Jahre später in Brisbane, sammelt der 24-Jährige eifrig Kilometer auf dem Wasser. Der Rintelner gehört im Coastal Rowing, sprich Küstenrudern, zur nationalen Elite. Der Bundeswehrsoldat ist Gebirgsjäger, stationiert in Berchtesgaden und heimste bei den Deutschen Meisterschaften in Flensburg in der neuen olympischen Disziplin eine Gold- und drei Silbermedaillen ein.

Doch was ist Coastal Rowing? Das Küstenrudern ist ein Mix aus Rudern und Laufen und die aufregende Variante des Rudersports auf offenem Gewässer: also auf dem Meer, in Buchten oder auch auf großen Seen mit Wellengang. Anders als beim traditionellen Rudern steht hier nicht die perfekte Technik im Vordergrund, sondern Anpassungsfähigkeit, Kraft, Ausdauer und Abenteuerlust. Die Boote sind speziell gebaut, um mit den Wellen klarzukommen: breiter, robuster und mit selbstlenzenden Rümpfen ausgestattet, damit Spritzwasser gleich wieder abfließen kann. Gekentert wird selten – und wenn doch, ist das Teil des Erlebnisses. Ein Coastal-Rowing-Rennen ist nicht wie ein klassischer 2.000-Meter-Lauf auf einem See. Hier geht’s über mehrere Kilometer durch die Wellen, mit Kurven, Bojen und manchmal sogar einem Sprint zurück an den Strand – wo die Ruderer ins Ziel rennen.
Klingemann entdeckte seine Ruderleidenschaft in der Ruder-AG des Rintelner Gymnasium Ernestinum bei Lehrer Lars Barkhausen. „Da war ich 12 Jahre“, berichtet Klingemann. Das Rudern machte ihm großen Spaß und so trat er in den WSV Rinteln ein und absolvierte seine erste Wanderfahrt mit Ruderwartin Helga Kruse. Von da an war Klingemann ein Ruderer mit Leib und Seele.

Klingemann hatte Talent und Ehrgeiz und war zudem sehr trainingsfleißig. Das sind Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere im Ruder-Sport. So ging es für ihn zum Landessstützpunkt nach Hameln. Dort stieg er in die Leistungsklasse auf. Im April 2021 verpflichtete sich Klingemann bei der Bundeswehr. Über den Ruderverein München und dem MRSV Bayern unter Trainer Thomas Tallmeier wurde der Rintelner immer besser und besser. Er wurde bayrischer Landesmeister im Ruder-Einer der Altersklasse U23 und im Jahr 2024 holte er im schweren Männer-Doppel-Vierer die Deutsche Meisterschaft.
Zum Küstenrudern ist der 24-Jährige vor einem Jahr aus einer Laune gekommen. Nach einem Urlaub meldete er sich zum Coastal-Rowing-Wettbewerb an. „Ich wollte schauen, was geht“, so Klingemann. Und es ging einiges. Im Einer über sechs Kilometer holte sich der Rintelner den DM-Titel. „Mein Körper ist wie gemacht für das Küstenrudern“, meint Klingemann.
Nur ein Jahr später bei den Deutschen Meisterschaften in Flensburg sahnte Klingemann so richtig ab. An der Seite von Torben Wiechers aus Hamburg gewann das Duo im Doppelzweier mit sage und schreibe zwölf Sekunden Vorsprung. Dazu gab es noch drei Silbermedaillen im Vierer über die Kurz- und Langstrecke.

Bei der EM-Langstrecke im türkischen Antalya reichte es für den Rintelner zu den Plätzen 7 und 13. Im Mixed-Doppelzweier landete Klingemann mit seiner Crew vor dem Boot Deutschland 1. Im Männer-Doppel-Vierer über sechs Kilometer erwischten Klingemann und Co. einen guten Start, fanden die optimale Welle und lieferten sich bis zum Ende einen packenden Zweikampf um Rang 6. Nur wenige Zentimeter fehlten am Ende für den 6. Platz. „Ich bin sehr zufrieden mit meinen Leistungen“, resümierte der Rintelner.
Als Bundeswehrsoldat kann Klingemann seine Ruder-Leidenschaft sehr gut kombinieren. „Leider bin ich nicht in einer Sportgruppe, also kein Sportsoldat, der gefördert wird. Ich trainiere mich selbst und komme auf einen Trainingsumfang von acht bis elf Einheiten pro Woche. Das entspricht zwischen 12 und 18 Stunden. Die Ruderprofis kommen auf 20 bis 25 Stunden pro Woche“, verrät Klingemann. Sein Trainingsprogramm ist sehr vielseitig. Laufen, Radfahren, Kraftübungen, Gewichtheben und viele Kilometer auf dem Waginger See beinhalten eine Trainingswoche. „Und ich muss alles selbst finanzieren“, verrät der Rintelner.

Seine Erfolge werden aber honoriert. So war Klingemann vor Kurzem zum Bayrischen Sportpreis eingeladen. Dort bekam unter anderem Karl-Heinz Rummenigge aus den Händen von Ministerpräsident Markus Söder den Preis für sein Lebenswerk. „Das war eine sehr schöne Veranstaltung“, berichtete Klingemann. Am Wochenende steht noch eine Ruderregatta in Kettwig auf dem Programm. Und dann wird in den Wintermonaten hart und intensiv trainiert. „Im Winter werden die Medaillen gemacht. Schluderst du, dann bist du hintendran und im Sommer bei den Rennen chancenlos. Also heißt es für mich: trainieren, trainieren, trainieren!“
Das nächste Jahr wird für Klingemann entscheidend. Im Herbst und Winter 2026 kommt es auf eine gute Form an. „Dann schaue ich, wo ich stehe und werde dann so richtig Gas geben und mich fokussieren. Damit mein Traum von den Olympischen Spielen schon im Jahr 2028 in Los Angeles Wirklichkeit werden kann. Sollte es nicht klappen, ist das auch kein Beinbruch. Dann will ich vier Jahre später im australischen Brisbane dabei sein. Denn Ruderer sind meist erst im Alter um die 30 Jahre absolute Weltklasse“, weiß Klingemann. Aber mit seinem Ehrgeiz und Trainingsfleiß würde es keinen Wundern, wenn der Rintelner schon in Los Angeles die heimischen Farben bei Olympia vertreten würde. Rinteln-Sport drückt ganz fest die Daumen!
