Now Reading
Dezimierte Elf des TSV Steinbergen zeigt beim 2:0 dem SC Auetal die Grenzen auf

Dezimierte Elf des TSV Steinbergen zeigt beim 2:0 dem SC Auetal die Grenzen auf

Foto: Steinberger Jubel: Robin Mieruch trifft auf Vorlage von Felix Mehrens (rechts) zum 1:0 des TSV.


Text und Fotos von Ernst Siepmann

Fußball. Es bleibt dabei: Erwartet der TSV Steinbergen zum Saisonauftakt den SC Auetal, endet es 2:0. So geschehen vor fünf Jahren (15.8.2021), so auch gestern. Beim Schlusspfiff waren alle Zuschauer sich einig. Verdienter Sieg der Elf von Trainer Dean Rusch, der wegen des Verletzungspechs nur eine Außenseiterrolle zugemutet wurde. Der SC Auetal hatte in den Vorbereitungsspielen überzeugt. Blieb im Abschluss aber schwach und musste feststellen, dass zwischen Siegen in der 1. Kreisklasse und eine Liga höher der Wind weit rauer weht. Für die TSV-Fans bedeutete eine stille Genugtuung. Denn im Kreispokal-Halbfinale hatten die Aue-Kicker im Elfmeterschießen leicht die Nase vorn.


Eine Bildergalerie mit 63 Fotos könnt ihr euch auf der Bildergalerie-Seite ansehen.


Der Artikel wird euch präsentiert vom Schaumburger Wachdienst.

Bei Rinteln-Sport tippten 187% der Zuschauer auf einen Auetaler Sieg, 53% auf Unentschieden und 134% auf den Erfolg des TSV Steinbergen. Potzblitz, was sind denn das für Zahlen? Ach Freunde, das Bildungsniveau sinkt. Wieso sollte der Berichteschreiber beim Zählen die berühmte Ausnahme da bilden? Doch die Statistik ist ehrlicher. Achtmal begegneten sich die Kontrahenten bisher in Steinbergen. Sechsmal gewann der TSV (15.6 = 3:1, 17.8 = 2:1, 21.2 = 2:0, 22.3 = 1:0. 23.4 = 2:1, 24.5 = 2:1). Zweimal der SCA (16.7 = 0:4, 18.9 = 2:3). Der legendäre Torjäger Samer Mahmo und Sebastian Wagner steuerten damals die Auetaler Tore bei. Beide weg. Die neuen Wunderwaffen von der Aue zündeten hingegen nicht.

Eigentlich hatte die Mehrzahl der Zuschauer mit einem Auetaler Sieg gerechnet. Besonders weil der TSV derzeit extrem verletzungsgebeutelt ist. TSV-Manager Bernd Reichelt zeigte sich im Vorfeld verhalten optimistisch. „Zwischen beiden Mannschaften gab es zuletzt immer enge Spiele. Wir sind nicht Außenseiter. Wer das erste Tor schießt, hat eine 80%ige Chance auf Sieg.“ Wir dürfen Bernd Reichelt korrigieren. Nicht achtzig, nein, hundert Prozent! Gemäß dem Spruch: „Wer’s 1:0 reinbringt, der stets gewinnt!“ Denn alle Spiele bewiesen ohne Ausnahme: Wer führt, siegt auch! Eigentlich hätten die Auetaler Fans nach 54 Minuten heimwärts fahren können. Da fiel das Tor, das diesem Spiel die Richtung gab. Robin Mieruch traf zum 1:0.

Sven Steep (links) geht energisch in das Duell mit dem Auetaler Pierre van de Löcht.

Der Führungstreffer hätte allerdings viel früher fallen können. Ein Schuss von Felix Mehrens (TSV) zischte am langen Pfosten vorbei (5.). Dann auf der Gegenseite Dogan Dilek (SCA) frei im Strafraum (6.). „Das sind die Dinger, wo ich sage: Fünf Meter vor dem Kasten, schieß doch drauf!“ ärgerte sich SCA-Trainer Marco Gregor. Aber Dilek verdribbelte sich. Während der 1. Halbzeit boten sich dem TSV Steinbergen mehrere Möglichkeiten. Die größte hier für Felix Mehrens, der einen Schuss von Lars Holm gefährlich abfälschte (29.). Auch Bruder Florian Mehrens glänzte. Bei einem Kracher von Dogan Dilek riss der Steinberger Schlussmann die Fäuste hoch, verhinderte die Auetaler Führung (34.). Torlos ging es in die Halbzeitpause.

„Wir sind solide in das Spiel hineingekommen. Zeigten uns in den Zweikämpfen präsent, hatten von den Chancen her gute Möglichkeiten. Die haben wir nicht richtig ausgespielt. Aus meiner Sicht ein Spiel auf Augenhöhe“, analysierte TSV-Trainer Dean Rusch. Senthoo Kiritharan war gleicher Meinung. Der Inhaber des Schaumburger Wachtdienstes und Garant dafür, dass Sie auf diesen Artikel und die Fotos den Gratis-Zugriff haben, war aus Bad Nenndorf angereist. „Die 1. Halbzeit verlief ausgeglichen. Dem SCA boten sich zwei gute Torchancen. Steinbergen überzeugte in der Defensive.“ Jannik Sasse, langzeitverletzter Spielmacher des TSV, sah dies ein wenig anders. „Steinbergen war klar besser. Vom SC Auetal hatte ich mehr erwartet.“ Sagte er, warf den Turbo an und humpelte auf Krücken zur Kabine. Quasi als Maskottchen für die Halbzeitansprache.

Jannik Selchow (links) kurbelt immer wieder das Angriffsspiel des TSV Steinbergen an.

Wie würde dieses Spiel ausgehen? Senthoo Kriritharan hat Fußballverstand und wacht auch über die Ergebnisse. 2:0, sein Tipp. Sein Herz schlägt für den SC Auetal. Korrektes Resultat, aber Befangenheit ist angesagt. Senthoo hatte die Aue-Kicker vorn gesehen. Die Treffer machte allerdings der TSV Steinbergen.

„In der 2. Halbzeit wollten wir druckvoller spielen. Das hat auch fünf Minuten geklappt. Dann kam das dumme Foul“, nahm Marco Gregor die Analyse wieder auf. „Sven Steep führte den Freistoß aus. Felix Mehrens legte quer zu Robin Mieruch. Der drücke den Ball am zweiten Pfosten über die Linie“, freute sich Dean Rusch über die verdiente Führung. „Auetal musste dann kommen. Wir bekamen anschließend mehr Räume.“ Die Auetaler hatten beim Tor Abseits reklamiert. Schiedsrichter Nils Haak und seine Nebenleute sahen es anders. Apropos Nils Haak. Er ist ranghöchster Schiedsrichter in Schaumburg. Pfiff früher Oberliga. Für den SV Puma Göttingen. Diesen Verein gibt es tatsächlich. Mittlerweile ist Haak für adidas Enzen unterwegs. Aber wir sollten bei der Schleichwerbung nicht zu sehr Schwarz-Weiß denken.

Zurück zu Marco Gregor. Der ärgerte sich maßlos über die Entstehung des Führungstreffers. „In unserer Drangphase machten wir ein wirklich dummes Foul. Fern vom Tor, in der toten Zone, wo keine Gefahr besteht. Steinbergen hat dies ausgenutzt. Wenn du gegen eine Mannschaft mit solch starker Defensive zurückliegst, wird es schwer. Dann läufst du gegen eine Wand.“ Die Führung war verdient. Bei einer Flanke von Felix Mehrens klärte Marc Steinsiek in höchster Not (50.), Mehrens schoss knapp am Tor vorbei (59.). Dann Zuspiel vom wieselflinken Jannik Selchow auf einen Mitspieler, der aus der Drehung nur den Pfosten traf (63.). Suchen Sie sich einen von Steinbergen aus, wer’s war. Der augenschwache Berichteschreiber ist ratlos hier. Immer wieder kurbelte Jannik Selchow die TSV-Angriffe an. Im Laufduell gegen Auetals Torwart Marco Großardt blieb allerdings der SCA-Keeper Sieger (84.).

Der Dosenöffner: Robin Mieruch markiert das 1:0 und bringt den TSV auf die Siegerstraße.

Wer im Duell von Steinbergens Felsen-Abwehr gegen die Aue-Kicker führt, der stets gewinnt. Wie statistisch eingangs schon belegt. Da spielte es keine Rolle, dass Auetal verstärkt auf Angriff setzte und sich dem TSV nun auch die Räume boten. Erneut ein Auetaler Foul im Mittelfeld. Freistoß, ausgeführt von Jannik Selchow. Und dann? „Wir stehen nur Spalier“, so Marco Gregor, „Marten Hußmann, nicht der filigrane Techniker, aber ein Mann mit großem Kämpferherz, wackelte drei Leute mit einer Körpertäuschung aus. Machte den Ball ganz sauber rein.“ (2:0, 86.). Während der 2. Halbzeit boten sich dem SC Auetal zwei Chancen. Engin Kiy traf den Außenpfosten (75.). Marc Steinsiek, als quasi alles schon gelaufen war, aus dem Getümmel nur die Latte (90.+1). Es blieb beim 2:0.

„Vor dem Spiel hätte ich ein Unentschieden unterschrieben“, bekannte Dean Rusch und zeigte sich stolz auf die TSV-Leistung. „Es war ein intensives Spiel von beiden Mannschaften. Wir wirkten über 90 Minuten sehr konzentriert, haben im richtigen Moment die Tore gemacht. Jeder haute sich voll rein. In Summe haben wir eine tolle Mannschaft! Da fiel nicht auf, dass die Verletzten draußen waren. Heute haben wir es im Kollektiv aufgefangen.“  – „Steinbergen hat verdient gewonnen“, erkannte auch Marco Gregor von Auetaler Seite an. „Wir investierten am Anfang zu wenig. Hätten mehr über lange Bälle kommen müssen und haben uns durch dumme Fouls viel selbst kaputtgemacht. Dann läufst du der Musik hinterher. Am Ende spielten wir uns tot.“

Interessierter Beobachter war Extens Trainer Uwe Wolff, auf dessen Team die Aue-Kicker nächsten Dienstag treffen. Fährt Marco Gregor morgen dann nach Exten, die gegen Nienstädt spielen? „Wieso soll ich mir die angucken? Ich kenne Exten doch. Wir haben oft genug gegen die gespielt.“ Stimmt, zweimal letztes Jahr im Kampf um die Meisterschaft der 1. Kreisklasse. Dann im Kreispokalfinale.

Kein Durchkommen: Die Steinberger Marcel Kassek und Wojciech Bachul blocken den Schuss von Engin Kiy.

Noch spannender wird es am Dienstag vier Kilometer weiter, wenn der TSV Steinbergen beim SV Engern antritt. „Mit drei Punkten nun im Sack können wir beruht dorthin fahren. In Engern herrscht eine gewaltige Atmosphäre“, blickt Dean Rusch voraus, „aber wir haben Selbstvertrauen getankt. Im nächsten Derby geht’s für uns um Bonuspunkte. Dann kommen weitere schwere Spiele, in Nienstädt und gegen Hespe.“ SCA-Trainer Marco Gregor wird die Niederlage intern besprechen. „Wir haben eine starke Mannschaft. Aber wir befinden uns in der Rolle des Gejagten. Alle sind heiß auf uns. Das ist nun mal so. Vielleicht war es unser Streichergebnis heute.“

TSV Steinbergen – SC Auetal 2:0 (0:0)

Kreisliga Schaumburg, 1. Spieltag, TSV-Sportplatz, Buchholz

TSV Steinbergen:  Florian Mehrens – Christopher „Schotte“ Hope, Sven Steep, Marcel Kasseck, Wojciech Bachul – Marten Hußmann, Robin Mieruch (90. Jan „Schorni“ Rinne) – Johannes Hänke, Lars Holm (73. Jan Mohme) – Felix Mehrens, Jannik Selchow (87. Janic Vogt). Trainer: Dean Rusch

SC Auetal:  Marco Großardt – Pascal Hantzmann, Marcel Kerkhoff (77. Marco Hauser), Mahsum Bayrak, Marc Steinsiek – Sedat Talu (49. Theo Dieterich), Klemens Dieterich – Dario Palermo (59. Ozan Gök), Dogan Dilek, Engin Kiy, Pierre van de Löcht. Trainer: Marco Gregor

Schiedsrichter: Nils Haak (TuS Schwarz-Weiß Enzen). SR-Assistenten: Robin Elmenthaler (TuS Schwarz-Weiß Enzen) + Justin Feie (TSV Eintracht Bückeberge)

Tore: 1:0 Robin Mieruch (54.), 2:0 Marten Hußmann (86.)

Gelbe Karten: TSV: Steep (65.), Hänke (76.), Vogt (90.+3) / SCA: Kiy (47.)

Zuschauer: 125

Klemens Dieterich und der SC Auetal sind am Boden. Marten Hußmann erzielt das 2:0 der Steinberger.