Helge Schermer ist ein Meister seines Faches

Foto: Helge Schermer verteidigte seinen DM-Titel im Wasserski.
Wasserski. Helge Schermer ist eine echte Sportskanone. Als junger Mann war der Rintelner jeden Tag sportlich aktiv. Laufen, Schwimmen, powern im Fitness-Studio, Ski-Touren oder mit Tempo die Abfahrten herunterjagen, nun kommt auch noch das Tennisspielen hinzu. Schermer liebt die Bewegung. Doch in einer Sportart ist der 34-Jährige ein Meister seines Faches. Helge Schermer vom WSV Nordlippe-Kalletal ist ein Ass im Wasserski und verteidigte in diesem Jahr erfolgreich seinen Deutschen Meisterschaftstitel im Slalom.

Helge Schermer lebte mit seinen Eltern in frühester Kindheit in Berlin, dort hatte die Familie ein Haus direkt am See. „Wir sind eine sehr wasseraffine Familie. Mein Vater hatte ein kleines Boot und so kam ich zum Wasserskilaufen“, berichtet der heutige Wirtschaftsprüfer. Nach dem Umzug nach Rinteln fuhren die Schermers bei einem Fahrradausflug an der Wasserskianlage am Stemmer See vorbei. Er probierte die Anlage gleich aus, war begeistert und sehr talentiert. „Da muss ich sieben Jahre gewesen sein“, so Schermer.
Schnell stellten sich erste Erfolge ein. Schermer wurde NRW-Meister und im Alter von 12 Jahren ins Bundesteam berufen. Als Jugendlicher holte er diverse DM-Titel, belegte als 14-Jähriger bei den Europameisterschaften den 2. Platz und gehörte im Alter von 18 bis 25 Jahren zu den Top 6 der Weltrangliste. Schermer holte zahlreiche Titel und Podestplätze bei nationalen und internationalen Wettkämpfen.

Bei einem Wettkampf in Israel passierte das Unheil. Schermer riss sich die Bizepssehne ab. „Das habe ich zunächst gar nicht wahrgenommen. Ich war voller Adrenalin und bin weitergefahren“, erklärt der Rintelner. Das Wasserski-Ass musste sich einer Operation unterziehen. „Ich bin sehr lange ausgefallen. Es hat über ein Jahr gedauert, bis ich wieder fit war“, so Schermer. Die Rückkehr auf das Brett verschob sich, denn für Schermer lag der Fokus auf seinem beruflichen Werdegang. „Das Examen stand an“, bestätigt Schermer.

Erst ab 2019/2020 nahm die Karriere von Schermer im Wasserski wieder Fahrt auf. Familie, Beruf und seine Liebe zum Wasserski galt es, unter einen Hut zu bringen. Er trainiert zwei- bis viermal die Woche von April bis Oktober, denn seine Sportart kann man nur in den Sommermonaten betreiben.
Im Jahr 2024 gelang dem Routinier der nächste Coup. Im Slalom der offenen Klasse männlich raste Schermer an einer 11,25 Meter langen Leine zum DM-Titel. Fünf Bojen umfuhr der Rintelner. Ein Jahr später wiederholte er sein Husarenstück und verteidigte mit vier Bojen erfolgreich seinen DM-Titel. „Das ist immer ein fester Kurs, der ist überall auf der Welt gleich. Je kürzer das Seil ist, umso schneller wird man. Da reden wir von Geschwindigkeiten zwischen 70 und 100 km/h“, verrät der Deutsche Doppelmeister.

Viel hängt von der Tagesform ab. Denn die Vorläufe und Endläufe werden im K.-o.-System gefahren. „Jeder Fehler, jede Unachtsamkeit kann das Aus bedeuten. Die körperliche Beanspruchung ist sehr hoch, deshalb ist körperliche Fitness die Voraussetzung und das wird im Alter immer schwieriger“, weiß der 34-Jährige. Aber das Glück von Helge Schermer ist nicht mehr erfolgsabhängig. „Ich betreibe Wasserski nur noch aus Spaß, fahre zwei, bis drei Wettkämpfe im Jahr und starte bei einer internationalen Veranstaltung. Meine Familie steht mittlerweile an erster Stelle“, haben sich die Prioritäten bei Schermer verschoben.
Doch eines ist auch klar: Kampflos wird Schermer seinen DM-Titel im Jahr 2026 nicht hergeben. „Die Jungs, die nachrücken sind gut, aber ich werde versuchen, ihnen ein Schnippchen zu schlagen und das Triple perfekt zu machen“, kündigt Schermer mit einem Augenzwinkern an.
