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Museumsschaufenster in Rinteln und Minden

Museumsschaufenster in Rinteln und Minden

Foto: Stefanie Popp, Programm-Managerin der Stadt Rinteln, Dr. Stefan Meyer (Mitte), Museumsleiter Eulenburg, und Carsten Reuß, Wissenschaftlicher Referent des Preußenmuseums Minden, vor dem Museumsschaufenster am Marktplatz.


Das LWL-Preußenmuseum Minden und das Rintelner Universitäts- und Stadtmuseum in der Eulenburg präsentieren ihre beiden Häuser nacheinander in den Fußgängerzonen in Rinteln und Minden. Dabei verlassen Ausstellungsstücke die Museumsmauern und wandern in das Stadtbild. Bis Ende 2023 sind die Objekte in einem Schaufenster direkt am Marktplatz ausgestellt. Anschließend wandert das Projekt Anfang 2024 von Rinteln nach Minden.

Entstanden ist das Projekt gemeinsam mit der Bürgermeisterin der Stadt Rinteln, Andrea Lange, im Frühjahr 2023. Dr. Stefan Meyer in Rinteln und Dr. Sylvia Necker in Minden konnten die Bürgermeisterin sofort von dieser Idee des Kulturangebots in der Innenstadt überzeugen. Stefanie Popp, Programm-Managerin der Stadt Rinteln, hat das Vorhaben sofort aktiv unterstützt, Räumlichkeiten gesucht und Kontakte hergestellt, sodass sich die Museen auf die inhaltliche Seite konzentrieren konnten.

Das Rintelner Universitäts- und Stadtmuseum in der Eulenburg stellt in seinem Schaufenster exemplarisch Franz (Freiherr von) Dingelstedt vor. Der in der Weserstadt aufgewachsene Poet machte im 19. Jahrhundert Karriere als bekannter Schriftsteller und Opernintendant. Zur Glanzzeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war er Direktor von Burgtheater und Wiener Oper. Sein Nachlass wird in den Sammlungen des Museums aufbewahrt.

Die Präsentation des Rintelner Museums nimmt auch Bezug auf die aktuelle Sonderausstellung „Rätselhaftes Mittelalter“ und wartet per QR-Code mit einer digitalisierten Ritterfigur des 15. Jahrhundert auf. Diese in der Sonderausstellung im Original gezeigte Skulptur kann man per Smartphone auf den Markt platzieren und von alles Seiten betrachten. Ein echter Hingucker zum Ausprobieren.

Preußische Geschichte? Und dann noch in Westfalen? Wer wissen möchte, was davon noch heute sichtbar ist und mit welchen spannenden Ereignissen, Personen und Objekten das verbunden ist, besucht die ehemalige Defensionskaserne von 1829 am Simeonsplatz, in dem sich heute das LWL-Preußenmuseum Minden befindet. Das Museum zeigt wechselnde Sonderausstellungen zu gegenwärtig viel diskutierten Themen wie zum Beispiel Antisemitismus, Kolonialismus und Migration.



Am 16. November 2023 eröffnet die nächste Sonderausstellung „Preußen auf See. Auf schwankenden Planken“. Parallel arbeitet das Museumsteam an der Eröffnung seiner neuen und innovativen Dauerausstellung „Potzblitz Preußen!“, die für die vielschichtigen preußischen Geschichten (Westfalens) begeistern möchte, indem sie überraschende Aspekte eines vermeintlich auserzählten Themas zeigt: 350 Jahre preußischer Geschichte nicht chronologisch als Herrscher-

und Militärgeschichte, sondern als Kultur- und Sozialgeschichte. Denn das Team des LWL-Preußenmuseums hat es sich zur Aufgabe gemacht, preußische Geschichte in neuen Formaten der Geschichtsvermittlung zu erzählen: mit unerwarteten Themen, mit politischen und gegenwartsbezogenen Zuspitzungen, mit bisher wenig beachteten Akteur:innen und mit einem Augenzwinkern, das die mit Preußen verbundenen Klischees aushebelt.

„Als Museum möchten wir ein Auslöser für gesellschaftliche Debatten sein und zum Austausch anregen. Dafür entwickeln wir immer wieder neue Formate im digitalen und im analogen Bereich“, erklärt Dr. Sylvia Necker. „Deswegen freuen wir uns besonders, in dieser gelungenen Kooperation mit der Eulenburg nicht nur das eigene Museum, sondern auch Stadtgrenzen hinter uns zu lassen und unsere Inhalte so einem ganz neuen Publikum zugänglich zu machen.“

„Die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ist leider in vielerlei Hinsicht auch eine Informationsgrenze, die regionalen Radiosender, WDR und NDR und auch die Zeitungen berichten relativ wenig oder sogar überhaupt nicht aus dem benachbarten ,Ausland‘. Umso wichtiger und erfreulicher ist unsere Zusammenarbeit mit den Mindener Kollegen, die zugleich auch schon eine lange Tradition hat“, freut sich Dr. Stefan Meyer über das gemeinsame Projekt. „Neu ist, dass wir jetzt auch in den Fußgängerzonen gemeinsam als Partner auftreten. Für uns setzt sich damit eine grenzübergreifende Werbung fort, die sich schon mit dem Museum Bad Oeynhausen bei der vergangenen KI-Ausstellung bestens bewährt hat.“