Now Reading
SC Auetal mit Chancenplus, aber TSV Hespe ist kaltschnäuziger im Abschluss und triumphiert

SC Auetal mit Chancenplus, aber TSV Hespe ist kaltschnäuziger im Abschluss und triumphiert

Foto: Auetals Dogan Dilek (links) versucht, an Hespes Verteidiger Justian Kober vorbeizukommen.


Fußball. Das Kreisliga-Top-Spiel der beiden Titelaspiranten hat gehalten, was es im Vorfeld versprochen hatte. Der TSV Hespe und der SC Auetal boten ein kurzweiliges Gipfeltreffen, spannend, emotional und technisch versiert. Am Ende triumphierten die kaltschnäuzigeren Hesper, gegen starke Auetaler, die aber ihr Chancenplus nicht in Zählbares umwandelten. „Wir waren zu dumm, hätten die Partie niemals verlieren dürfen“, meinte Auetals Trainer Marco Gregor nach Spielschluss. Einen Sieg der Heimelf tippten 51 Prozent der Rinteln-Sport-User. 19 Prozent rechneten mit einem Remis und 30 Prozent sahen den SCA vorne.


Eine Bildergalerie mit 90 Fotos könnt ihr euch auf der Bildergalerie-Seite ansehen.


Der SC Auetal kam richtig gut in die Partie und bestimmte den Kreisliga-Hammer. Nach 25 Minuten verzeichneten die Gäste mit 5:1 ein klares Chancenplus. Dogan Dilek bediente Julian Hartung, der mit einem strammen Schuss aus 14 Metern am starken Hesper Keeper Jason Hupe scheiterte (4.). Auch die Versuche von Dilek (8.), Engin Kiy (12.), wieder Dilek (14.) und Klemens Dieterich (16.) brachten nichts ein. Immer wieder war Hupe auf der Hut und zeigte seine ganze Klasse. „Aus dieser Überlegenheit musst du Kapital schlagen, sonst fliegt dir alles um die Ohren“, ahnte SCA-Trainer Marco Gregor Böses.

Der Artikel wird euch präsentiert vom Schaumburger Wachdienst.

Und so kam es auch. Hespe hatte eine Chance und diese war gleich drin. Nach einer Ecke von Philipp Rohde auf den zweiten Pfosten, rauschte Phil Maier heran und wuchtete das Spielgerät per Kopfball-Torpedo in die Maschen – 1:0 für Hespe (6.). „Wir wollten Auetal kommen lassen und dann nach Balleroberungen schnell umschalten. Aber so passiv wollten wir nicht anfangen. Das war erst ab Minute 25 richtig gut von uns“, berichtete TSV-Coach Erkan Aslan.

Phil Maier erzielt per Kopfball-Torpedo das 1:0 für den TSV Hespe.

Das Heimteam übernahm ab der 25. Minute das Kommando und drängte auf den zweiten Treffer. Mit schnellen und überraschenden Bällen hinter die Kette wurde Hespe immer gefährlicher. Jasper Möller (26.) schoss in die Arme von Niklas Dohm, ein Volley-Schuss von Massimilien Stahlhut (28.) strich knapp vorbei, Justian Kober (32.) legte den Ball nach einer Ecke über den Auetaler Kasten und Stahlhut (34.) hämmerte humorlos das Leder am Winkel vorbei. „Wir haben eine Rückwärtsbewegung wie bei den Altherren“, monierte Gregor.

Dann lag der Ball im Netz des SC Auetal. Nach einem Steckpass tauchte Phil Maier völlig blank vor Dohm auf, umkurvte die Auetaler Nummer 1 und markierte das 2:0 (35.). Kurz vor der Pause verpasste Möller sogar den dritten Treffer, fand in Dohm seinen Meister.

Danach bedankt sich der Torschütze (Mitte) bei Vorlagengeber Philipp Rohde.

Nach dem Seitenwechsel zog sich Hespe zurück. Auetal rannte an und hatte die Partie im Griff. Kiy (48.) und Dilek (49.) verpassten den Anschlusstreffer. Die beste Möglichkeit hatte Dilek in der 56. Minute. Der Stürmer klaute einem Hesper das Leder, lief in den Strafraum, legte quer zu Kiy, doch das Abspiel war zu ungenau. Riesenmöglichkeit vertan. „Da muss er selbst abschließen. Der Weg zum Tor war frei“, meinte Gregor. Auf der Gegenseite ließ Caglayan Tunc (61.) das 3:0 liegen, Dohm hielt überragend.

Neue Hoffnung impfte sich der SC Auetal mit dem 2:1 (64.) ein. Tino Schröder verteidigte nach vorne, eroberte den Ball, legte dann das Spielgerät hinter die Hesper Defensivkette, Engin Kiy erlief sich die Kugel und vollstreckte mit Hilfe des Innenpfostens. Auetal war dran, das Match drohte zu kippen.

Nun wurde es unschön. Schiedsrichter Ralf Krömer musste nach 72 Minuten die Begegnung unterbrechen. Was war geschehen: „Ein Zuschauer sagte Hurensohn zu einem Auetaler Spieler. Daraufhin gab es kleinere Tumulte. Ich ließ Ordner kommen und dann schickte ich beide Mannschaften an die Trainerbänke zur Beruhigung“, klärte Schiedsrichter Krömer auf. Allerdings beteuerten die Hesper Zuschauer auch, zuvor beleidigt worden zu sein. 

Schiedsrichter Ralf Krömer erkundigt sich bei seinem Assistenten Jan Luca Engelhardt.

Gregor brachte das Scharmützel auf die Palme. „Wir sind am Drücker, regen uns wegen so einen Mist auf und verlieren den Faden“, ärgerte sich der Auetaler Coach maßlos. Natürlich gehören Beleidigungen nicht auf den Fußballplatz. Aber manchmal müsse man über den Dingen stehen.

Das Match war nun hektisch und hitzig. Jasper Möller schubste Mahsum Bayrak in die Bande und beschimpfte ihn danach als „behindert“. Krömer zog die Rote Karte (78.) für den Hesper Flügelflitzer. In Überzahl brachte der SC Auetal nur noch einen vernünftigen Angriff zu Stande. Niklas Müller (80.) wurde gekonnt freigespielt, fand aber in Hupe seinen Meister. Die Hesper Nummer 1 erwischte einen Sahne-Tag. Als dann „Charly“ Tunc in der 90. Minute das 3:1 erzielte, war der Deckel drauf auf der Partie.

„Ich bin sehr zufrieden mit unserem Auftritt ab der 25. Minute. Da ist unser Plan voll aufgegangen. Leider wurde es zum Spielende sehr emotional. Das bedaure ich“, erklärte Hespes Coach Erkan Aslan. Sein Gegenüber Marco Gregor sah wilde 20 Minuten seiner Elf vor der Pause. „Da waren wir nicht auf dem Platz und kassieren eine vermeidbare Pleite. Wir müssen uns aufs Wesentliche konzentrieren und das ist der Fußball. Dieses Aufmachen von Nebenkriegsschauplätzen tut uns und unserem Spiel nicht gut“, sprach Gregor Klartext.

Niklas Müller vergibt die Riesenchance zum 2:2-Ausgleich.

Leider beruhigten sich die Gemüter auch nach Spielschluss nicht. Vor dem Sportheim wurden weit nach Abpfiff nicht nur weiter verbale Nettigkeiten ausgetauscht, auch kam es zu Handgreiflichkeiten von Hesper Zuschauern gegenüber Auetaler Spielern und umgekehrt. So nahm ein hochklassiges Fußballspiel ein trauriges Ende.    

Hespe: Jason Hupe, Justian Kober, Jasper Möller, Kaan Gündüz (90.+4 Aboubakar Tchatchazre), Massimilien Stahlhut, Phil Maier (86. Hasan Stublla), Caglayan Tunc, René Thom, Philipp Köpper (76. Lukas Urbansky), Philipp Rohde, Abdullah Yel (82. Erik Mut).

Auetal: Niklas Dohm, Tino Schröder, Theo Dieterich (84. Marco Hauser), Pierre van de Löcht (90.+3 Marcel Kerkhoff), Julian Hartung (64. Dario Palermo), Mahsum Bayrak, Niklas Müller, Marc Steinsiek (84. Jörn Fickendey-Engels), Klemens Dieterich, Engin Kiy, Dogan Dilek.

Immer wieder scheitern die Auetaler am bärenstarken Hesper Keeper Jason Hupe.