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SC-Auetal-Kapitän Florian Meyer beendet nach 17 Jahren die Karriere

SC-Auetal-Kapitän Florian Meyer beendet nach 17 Jahren die Karriere

Foto: Abpfiff, die Nummer 11 geht in den fußballerischen Ruhestand. Florian Meyer beendet nach 17 Jahren seine Karriere beim SC Auetal.


Text und Fotos von Ernst Siepmann

Fußball. Letzter Spieltag an der Obersburg, 88.Minute: Applaus und Beifallsrufe von allen Seiten. Das Spiel war längst entschieden, in dieser Szene auch kein Tor gefallen. Die Auetaler führten deutlich mit 8:0, beendeten die 1. Kreisklasse als Meister. Aber die Fans des SCA feierten eine Auswechslung. Nicht dass der Spieler „schlecht“ gewesen sei, der da vom Platz ging. Im Gegenteil, er war in 17 Jahren stets präsent. Ein Vorbild für die Mannschaft, mit Kampfgeist, Fairness und Vereinstreue. Doch jetzt ist auf dem Spielfeld Schluss. Florian Meyer, Kapitän des SC Auetal, beendete mit 35 Jahren seine Karriere.

Die Laudatio auf einen Ruhestand ist etwas schwierig. Denn es heißt: Ehrlich bleiben! Wie sagte mal ein schlauer Mensch: Es wird nie so viel gelogen wie bei Jubiläen und Beerdigungen. Beim Jubiläum wird die größte Firmen-Trantüte gleich hinter dem Geschäftsführer angesiedelt. Und Reden bei Beerdigungen schieben den schlimmsten Schuft wortreich durchs Himmelstor. Was macht nun, ehrlich ausgedrückt, Florian Meyer aus?

Begonnen hat die Laufbahn des Auetaler Kapitäns mit 7 Jahren. Vom Wohnort Bernsen zum Sportplatz Kathrinhagen ist nur der berühmte Katzensprung. Nicht mal vier Kilometer. Durch die Altersklassen aufwärts ging es bin in die A-Jugend, die sich als JSG Rehren/Kathrinhagen darstellte. „Wir wurden damals Kreismeister, stiegen in den Bezirk auf“, erinnerte sich Marcel Diedler, gleichaltrig und Weggefährte von Florian Meyer. Heute Sportlicher Leiter bei den Aue-Kickern. „Florian hat damals Rechtsverteidiger gespielt. Trainer Mirko Undeutsch griff aber nicht so oft auf ihn zurück, wieso auch immer. Doch Florian ließ sich davon nicht abbringen. Machte immer weiter, setzte sich durch. Die weitere Entwicklung ist ja offensichtlich! Stammspieler, bis hin zum Mannschaftskapitän. Ein absolutes Vorbild.“

Die Mitspieler stehen Spalier als der Kapitän im letzten Saisonspiel nach 88 Minuten den Platz verlässt.

„Mein erster Herren-Trainer Mirko Undeutsch hat viel vorgelebt“, greift Auetals Kapitän diese Phase auf. „Das konnte ich erst in den Folgejahren umsetzen. Auch von Björn Schütte, der folgte, lernte ich dann eine Menge. Damals hatten wir eine junge Truppe mit einer Altersstruktur von 20-24 Jahren. Ich orientierte mich an Jan-Frederik Meyer, dem „Major“. Der hatte eine wahnsinnige Klasse, als er noch jünger war. Unheimlich wendig! Wenn wir auf Spielernamen kommen, bedeuten mir beim SC Auetal drei Jungs besonders viel.  Mit Marc Steinsiek und Frederik „Fänger“ Meyer durfte ich viele Jahre zusammenspielen. Der Dritte ist Maurice Pernau, der sich aber für die 2. Herrenmannschaft entschied. Beim Rest der Truppe fällt es schwer, jemanden hervorzuheben. Weil jeder über viele Jahre mir ans Herz gewachsen ist. Ich täte Unrecht, wenn ich Namen nenne. Aber die Liste wäre lang.“

Wechseln wir zu einem anderen Meyer: Jan-Frederik, den alle „Major“ nennen. Er hat den gleichen Nachnamen wie Florian. Verwandt sind beide nicht. Sie spielten viele Jahre gemeinsam in der Mannschaft, ehe der „Major“ die Kapitänsbinde an seinen Namensvetter weiterreichte und später sogar dessen Trainer wurde. „Florian hat sich mit vorbildlichem Trainingsfleiß in seine Aufgabe hineingearbeitet“, erinnerte sich Jan-Frederik, „besitzt Ehrgeiz, Engagement und Teamverantwortung. Hat immer einen flapsigen Spruch auf der Lippe! Auch in der Kabine, was für den Teamgedanken wichtig ist. Was Flo bei seiner fußballerischen Leichtigkeit ins Stolpern bringt, gleicht er mit seiner Physis und läuferischen Qualität aus. Bei den Trainingsläufen in der Vorbereitung war er stets einer der Ersten! Ich habe dies verfolgt und aus dem Dickicht heraus beobachtet.  Beim Bückeburger Harrl-Lauf gab es nämlich Kandidaten, die schummelten. Die nahmen eine Abkürzung: Alexander Enzi, Samer Mahmo, Sebastian Wagner und meine Wenigkeit. Alles Leute, die nicht mehr aktiv sind. Jetzt kann man auch mal die Hose runterlassen und mit der Wahrheit rausrücken. Florian Meyer war aber stets korrekt. Einen fleißigen Typen wie ihn an der Seite zu haben, war immer schön. Den Wiederaufstieg kann ich ihm nur gönnen!“

August 2019: Florian Meyer im Duell mit Marco Lackner vom TSV Eintracht Exten.

Die menschliche Seite des Kapitäns betont besonders Emre Tas. Der musste mit dem Fußballspielen aufhören, denn eine böse Verletzung brachte ihn letzten Herbst ins Krankenhaus. „Schade, dass so ein Charakter, so ein Riesen-Typ den Schaumburger Fußball verlässt, zumindest als Spieler. Er ist einer, der eine Mannschaft auf jede Art und Weise lenken kann. War immer für mich da. Auch in der Zeit meiner Verletzung, die immer noch andauert. Fragte regelmäßig nach, wie es mir geht. So etwas bedeutete mir viel! Ich hatte die Ehre, ihn anderthalb Jahre als Mitspieler, Kollegen und Freund kennenzulernen. Auf und neben dem Platz. Solche Menschen gibt es nicht oft.“

Marco Gregor, aktueller Trainer bei den Aue-Kickern, darf mit seiner Ansicht auch nicht fehlen. Er kennt Meyer besonders, hatte ihn fünf Jahre lang trainiert. „Die Zuverlässigkeit in Person. Loyal und absoluter Teamplayer. Dabei gilt Florian als ruhiger Vertreter. Wird nie laut, findet aber klare Worte. Als ich die erste Zeit Trainer beim SC Auetal war (2015-2019), spielte er als Rechtsverteidiger. Damals setzten wir auf eine Dreier-Kette. Nicht wie heute üblich auf diese jämmerliche Fünfer-Kette. Das ist eine schwierige Position, denn auf der rechten Außenbahn musstest Du ganz schön laufen! Voriges Jahr wurde ich dann wieder Trainer an der Aue.  Florian hatte die Befürchtung, dass er in seinem „hohen Alter“ wieder diese Position einnehmen müsse. Aber er wurde umgeschult. Spielte nun erfolgreich als Sechser. Er ist ein guter Balleroberer, der viele Bälle klaut. Leider sind sie manchmal wieder weg, weil Florian den Abspielpunkt verpasst. Aber das sind kleine Schwächen, die wir alle ein bisserl haben.“

Zweikampf- und laufstark: „Flocki“ Meyer in Aktion.

Gregor weiter: „Florian Meyer ist ein toller, ruhiger, ausgeglichener Mensch. Brutal zuverlässig. Beim Training immer dabei! Könnte man sich einen Schwiegersohn aussuchen, dann wäre Flocki sicherlich der Traum aller Schwiegermamas.“ Eine nette Anekdote hat der Auetaler Trainer noch parat: „Ich wollte Florian Meyer damals zum SV Obernkirchen holen. Er hat dann dort ein Probetraining mitgemacht. Blieb aber standhaft und dem SC Auetal immer treu. Das spricht für ihn!“

Für Florian Meyer endet nach 17 Jahren das Kapitel Herrenmannschaft. Eine lange Zeit! Mit vielen Höhen und ein wenig Tiefen in der Ausbeute. Welche Spiele blieben ihm besonders in Erinnerung? „Spontan aus der Erinnerung fällt mir das Relegationsspiel gegen Uetze ein. Leider spielten wir nur Unentschieden (2:2, 2017). Dort herrschte eine tolle Atmosphäre. Auch das Kreispokalfinale in Obernkirchen bleibt immer in Gedächtnis, weil wir dann den Pokal geholt haben (2:1 gegen Hevesen, 2022). Wenn es um Ligaspiele geht, war es das 3:0 in Enzen. Am 2. Spieltag 2022/23 spielten wir den Favoriten an die Wand. Aber erwähnenswert sind sicherlich auch viele Spiele gegen andere Vereine. Besonders gegen Clubs, die sich in der Nachbarschaft befinden. Wo Lokalcharakter herrscht. Treffen wir auf Engern oder Steinbergen, dann schwingen etliche Erinnerungen mit.“ Das Sahnehäubchen der Karriere blieb Meyer allerdings verwehrt. Am 23. Mai führte er die Aue-Kicker in das Kreispokalfinale. Bis zur Pause (Halbzeit 1:0) sah es gut aus. Dann schlug der TSV Eintracht Exten durch zwei Eckbälle brutal zu und schnappte sich mit 2:1 noch den Pokaltitel. Meyer durfte als Erster zu den Ehrungen vortreten. Die ehrenvolle Geste gegenüber dem Verlierer. Doch die Meisterschaft der 1. Kreisklasse gleicht für die Aue-Kicker alles wieder aus.

Ein bitterer Moment: Der SCA-Kapitän erhält nach dem verlorenen Kreispokalfinale von Schaumburgs Fußballchef Reinhard Stemme den Preis für den 2. Platz.

Natürlich sollte auch das Fernsehen nicht fehlen. Es wäre vielleicht etwas viel verlangt, wenn wir hier Florian Meyer als „Medienstar“ bezeichnen. Aber letzten Sonntag war der Auetaler Kapitän beim NDR zu bewundern. In der Rubrik „Mein Lieblingsplatz“ in „Hallo Niedersachsen“. Dort präsentieren Normal-Bürger den Ort, der ihnen äußerst wichtig ist. Für einen Schiedsrichter aus Wiedensahl ist dies der Sportplatz. Genial! Der NDR griff dieses Thema auf und schickte einen Medienvertreter zum Spiel des SC Auetal in Apelern. Die Seitenwahl zeigte dann Florian Meyer in Großaufnahme. Unglücklich nur, dass der Schiedsrichter die Münzwurf-Prozedur in eine Quizshow umgestalten gewollte. Wer sei denn die bekannteste Person aus Wiedensahl? Außer dem Unparteiischen natürlich. Meyer stutzte angesichts der sonderbaren Frage, die jeden Sportfreund aus der Konzentration rausreißt und den mentalen Spielaufbau gefährdet. Er schüttelte den Kopf und meinte fokussiert: „Können wir nicht einfach Fußball spielen?!“ Korrekte Antwort. Zielgerichtet! Wir wollen hier nicht auf den Busch klopfen. Aber außerhalb des Örtchens Wiedensahl weiß jeder doch: Es ist die MICKY MAUS! Das wollte Meyer dem Schiedsrichter allerdings nicht antun. Denn bei der Antwort hätte dieser einen MAXimalen Blutsturz erlitten und wäre MORITZontal ins Krankenhaus geliefert worden. So preschte Florian Meyer weg von dieser Frage, brachte es auf den Punkt: „Wollen wir nicht einfach Fußball spielen?!“

Der Ball rollt weiter. Auch in der kommenden Saison. Dann ohne Florian Meyer, den Auetaler Kapitän. Nach 17 Jahren Ende! Die Auetaler werden ihn natürlich wiedersehen, dann außerhalb der Kreidelinie. Angespannt aufs Spielfeld blickend, aus dem Zuschauerblock heraus. Die Nummer 11 wird einem anderen gehören, der sicherlich mit gleichviel Herzblut an die Sache geht. Auch wird sich bei Elfmetern ein anderer den Ball dann greifen. Florian Meyer galt als die absolute Zuverlässigkeit. Verwandelte zehn Strafstöße während der vorigen Saison.  Tore bei Elfmeterschießen nicht mitgerechnet. Er wird den Auetalern fehlen. Aber nur auf dem Spielfeld. Denn dies ist keine Grabbetrachtung, sondern die dankbare Erinnerung an 17 Jahre Einsatz für den SC Auetal. Alle Gesprächspartner waren sich ein einig: „Ein toller Typ, der jetzt die Fußballschuhe an den Nagel hängt.“

Meyer war vom Elfmeterpunkt stets eine Bank.