SC Auetal setzt Akzente: zwei Traumtore beim 5:1 über den VfR Evesen II

Foto: Der Auetaler Dreifachtorschütze Sedat Talu (links) hält sich Gegenspieler Tim Gerstenberg vom Leib.
Text und Fotos von Ernst Siepmann
Fußball. Der SC Auetal ist diesen Sommer turniergeil. Spielte die Mannschaft in vergangenen Jahren stets gegen dieselben Verdächtigen mit listiger Idee, das Rückspiel in der Winterpause dann auf deren Kunstrasen zu absolvieren, ist unter Trainer Marco Gregor ein Umdenken erfolgt. Nach Teilnahmen in Deckbergen (Vorrunde ausgeschieden) und Lauenau (Finale) steht aktuell die Fahrt nach Ahnsen an. Den „akzent-Bauelemente-Cup“ nahmen die Aue-Kicker gleich beim Wort. Setzen Akzente und schlugen im Halbfinale den VfR Evesen II mit 5:1 (2:0). Mit Traumtoren von Engin Kiy durch Weitschuss und Sedat Talu nach einer Vielfach-Kombination.
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Sagt Ihnen der „akzent-Bauelemente-Cup“ etwas? Vermutlich nur dann, wenn Ihr Gedächtnis prima ist und Sie ein Herz für Ahnsen haben. „Wir hatten dieses Turnier schon zwei, dreimal vor der Coronazeit durchgeführt“, blickt Rainer Hussong, Inhaber des Namensgebers, zurück. „Dann ist es eingeschlafen, soll aber nun jedes Jahr fortgeführt werden.“ Hussong ist Ur-Ahnser, seit 1993 TSV-Mitglied und über die Generationen familiär hier eingebunden. Beim Teilnehmerfeld bediente man sich in der Nachbarschaft. „Wir setzen auf Mannschaften, mit denen wir gut klarkommen, bei denen für die Spieler und die Zuschauer eine kurze Anreise besteht“, erläutert Elio Di-Silvestre, Spartenleiter beim TSV. „Mit Marco Gregor und Lars Deppe, den Trainern, verbindet uns eine langjährige Freundschaft.“ Die Favoritenrolle beim Turnier scheint klar gegeben. „Der SC Auetal“, weiß Rainer Hussong, „aufgrund der Ligazugehörigkeit und nach dem klaren Aufstieg letzte Saison.“ Elio Di-Silvestre pflichtet bei: „Die haben eine ganz gute Riege zusammen.“
Genug der warmen Worte. Die Aue-Kicker ließen Taten sprechen. Bereits nach sechs Minuten bot sich eine Doppelchance. Doch Christian Förster, bekannt aus vielen Jahren Torwart Erste Mannschaft, parierte gegen Marc Steinsiek und auch Felix Rauhut. Dann folgte Engin Kiys Geniestreich. „Engin ist einfach ein Straßenköter!“, zollte Trainer Marco Gregor dem Neuzugang mit ungewöhnlicher Formulierung Tribut. „Kiy sah, dass der Torwart am Fünfer stand, gar nicht mal so weit weg vom Tor. Mit Absicht zirkelt er den Ball dann von Mittellinie aus direkt ins Ziel. Das muss man erst mal hinkriegen!“ 1:0 (10.) für Auetal. Die Zuschauer beim Deckberger „Sasse-Lack-Schaumburg-Pokal“ erinnern sich. Damals das gleiche Kunststück, auch ein Tor.

Mit Auetaler Chancen lief es weiter. Engin Kiy spielte Pierre van de Löcht frei. Der blieb aber am Torwart hängen (15.). Fürs 2:0 sorgte dann Marco Hauser (19.) nach Kombination und Schuss ins lange Eck. Anschließend folgte von Auetaler Seite Geplänkel. „Wir waren zu wild, hätten das Tempo herausnehmen müssen, ließen den Gegner ins Spiel kommen“, bemängelte Marco Gregor. Erschwert wurden die Aktionen durch einen Wolkenbruch, der vor der Halbzeit Spieler wie auch Zuschauer mit einem kalten Guss „erfreute“.
Für die zweite Halbzeit tauschte Trainer Gregor seine Stürmer aus. Mit der ersten Ballaktion besorgte Sedat Talu gleich das 3:0 (53.). Jörn Fickendey-Engels hatte den Torjäger mit einem Steckpass in Szene gesetzt. Die Eintragung bei fussball.de stimmt nicht (dort: 3:0 Dogan Dilek/20.). Vermutlich war dem Schiedsrichter beim Wolkenbruch der Zettel aufgeweicht.
Anschließend durfte sich auch Marco Gregor etwas ärgern. Evesen II verkürzte durch Frederik Brunnenberg auf 3:1 (55.). „Wieder so ein typisches Gegentor von uns. Wir greifen außerhalb des 16ers nicht eng genug an. Sicherlich ein schönes Tor und gut gemacht vom Stürmer. Hätte aber nicht passieren dürfen.“ Beim Aufsetzer auf nassem Boden war Schlussmann Frederik Meier machtlos. Aber der SC Auetal hat seine neuen Torjäger, hier für die 2. Halbzeit Sedat Talu. Beim 4:1 (61.) geriet der Auetaler Trainer in Verzückung. „Eine solche Kombination sah ich beim SC Auetal zuletzt zu den Zeiten eines guten Samer Mahmo. Als die ganzen Granden dort noch spielten. Ein sexy Tor von Sedat Talu, nachdem der Ball über so viele Stationen lief!“

Die Männer von der Aue wirbelten im Angriff weiter. Pierre van de Löcht und Sedat Talu boten sich hochklassige Chancen. Dogan Dilek hatte den Torwart umspielt, rutschte dann beim Torschuss weg (67.). Sedat Talu traf den Posten (78.). Den Nachschuss von van de Löcht parierte Torwart Förster. Nach einem Auetaler Eckball kreuzte Frederik Brunnenberg den Laufweg von Pierre van de Löcht mit Foul, Elfmeter! Sedat Talu verwandelte souverän links unten (5:1, 80.).
Trotz dieses klaren Spielstands kam in den letzten zehn Minuten Hektik auf. „Ich finde es nicht gut, dass wir so in den Gegner hineingingen. Derartiges gehört sich nicht!“ kritisierte Marco Gregor das übermotivierte Vorgehen seiner Mannschaft. Wegen Meckerns gab es gegen Dogan Dilek noch die Gelb-Rote Karte (83.). Da dies ein Testspiel war, hat es für das Finale keine Auswirkung. „Mit seiner Gestik provozierte aber der Schiedsrichter die Reaktion“, ergänzte Gregor die Szene aus seiner Perspektive.

Dass Lars Deppe aktuell Trainer der Evesener ZWEITEN ist, hatte der 51-Jährige bis vor kurzem nicht erwartet. Eigentlich trainiert er die A-Jugend des VfR Evesen. Mit viel Begeisterung! „Wir haben einen guten Unterbau durch strukturierte Jugendarbeit. Im nächsten Jahr gehen 14 Spieler in den Seniorenbereich. Für die müssen wir im Verein ein Fundament finden. Meine Mannschaft besteht bis auf eine Ausnahme komplett aus Evesener Jungs. Die über Jahre zusammenwirken. Nur Tim Kaiser ist etwas älter, spielte in Arnum in der Bezirksliga und ist nach Evesen hinzugezogen. Die ersten 25 Minuten hier im Spiel haben wir verschlafen. Hatten in der Innenverteidigung zu große Abstände. Aber Fehler passieren. Besser heute als nächstes Wochenende, wenn es für uns nach Rinteln geht.“
Am Sonntag folgen das Finale und Spiel um den dritten Platz. Gegner des SC Auetal ist die SG Liekwegen/Sülbeck/Südhorsten (Sportplatz Ahnsen, 15:30 Uhr). Damit war nicht zu rechnen. Denn im Parallelspiel führte Turnierausrichter TSV Ahnsen bereits mit 3:0, ehe LSS nach einer Pausenansprache dem Gastgeber den Stecker zog. Am Ende stand es 4:7. Die Drei-Dörfer-Spielgemeinschaft ist schlecht auszurechnen. Fünf Spieler teilten sich die Tore. Bekanntester Akteur ist sicher Niko Werner. Der mittlerweile 41-Jährige, Spitzname „Terror“, ist vielen Fußballfreunden aus seiner Bückeburger Oberligazeit bestens bekannt. Im Spiel um Platz 3 treffen vorher der TSV Ahnsen und VfR Evesen II aufeinander (Anstoß 13:30 Uhr).

SC Auetal – VfR Evesen II 5:1 (2:0)
akzent-Bauelemente-Cup 2026, Halbfinale, Sportplatz Ahnsen
SC Auetal: Frederik Meier – Felix Rauhut (Pascal Haintzmann), Nico Winkelhake, Marcel Kerkhoff, Marc Steinsiek – Jörn Fickendey-Engels, Klemens Dieterich – Julian Hartung (Dogan Dilek), Marco Hauser (Dario Palermo), Engin Kiy (Sedat Talu), Pierre van de Löcht. Trainer: Marco Gregor
VfR Evesen II: Christian Förster – Mika Hoffmann, Henrik Bischof, Erik Driftmeier, Frederik Brunnenberg – Luca Schulze (Tim Kaiser), Tom Völkening (Jonas Ziehe), Alexander Dillner (Tim Gerstenberg) – Jan Seipolt, Almir Krasniqi, Max Pöhler (Jan Hoppe). Trainer: Lars Deppe
Schiedsrichter: Robin Elmenthaler (TuS Schwarz-Weiß Enzen). SR-Assistenten: Florian Bornemann (Rot-Weiß Stadthagen) + Klaus-Dieter „Theo“ Kreft (TuS Schwarz-Weiß Enzen)
Tore: 1:0 Engin Kiy (10.), 2:0 Marco Hauser (19.), 3:0 Sedat Talu (52.), 3:1 Frederik Brunnenberg (55.), 4:1 Sedat Talu (61.), 5:1 Sedat Talu (80., Foulelfmeter)
Gelbe Karten: SCA: Talu (57.), K. Dieterich (77.), Kiy (83.), Dilek (83.), 8 (85.) / VfR II: –
Gelb-Rote Karte: SCA: Dilek (83./Reklamieren)
Zuschauer: 100 (exakt gezählt)
