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Nach rein, rauf, rum, runter, raus – nun die Welt entdecken!

Nach rein, rauf, rum, runter, raus – nun die Welt entdecken!

Foto: Die Flugschüler bringen das Flugzeug in die richtige Startposition.


Segelfliegen. Der LSV Rinteln ist weit mehr als eine ambitionierte Gruppe von Segelfliegern, die in der Bundesliga punkten möchte. Der Verein verfügt über insgesamt elf Fluglehrer, die an Wochenenden und Feiertagen Flugbegeisterten jeden Alters das Fliegen beibringen.

In der ersten Phase der Ausbildung bedeutet das vor allem, den angehenden Luftfahrern das sichere Steuern des Schulungsdoppelsitzers zu vermitteln. Start und insbesondere Landung sind Elemente, die intensiv trainiert werden müssen. Anders als motorgetriebene Luftfahrzeuge, die durchstarten können, haben Segelflieger bei der Landung nur eine Chance – und die muss sitzen.

Ist dieser Ausbildungsabschnitt geschafft und die Umschulung auf einsitzige Muster erfolgt, bereiten die Lehrer ihre Schüler*innen auf die Welt außerhalb der Platzrunde vor. In den sogenannten Überlandflugeinweisungen lernen sie, die sichere Landemöglichkeit in Rinteln hinter sich zu lassen und sich auf den Weg zu vorher definierten Wendepunkten zu machen. Dabei ist es entscheidend, das Auffinden und Zentrieren der Thermik ausreichend zu beherrschen, um nicht schon nach wenigen Kilometern auf einem Acker zu landen.

Neben den fliegerischen Fertigkeiten des Kurbelns wird vor allem das Auge geschult: Boden- und Luftmerkmale müssen richtig interpretiert werden, um Thermik zu finden. Auch die Entscheidung, welches Gelände sich im Notfall für eine Außenlandung eignet, wird trainiert – ebenso wie die navigatorischen Fähigkeiten, die bereits mit der Kartenvorbereitung am Boden beginnen.

Am vergangenen langen 1. Mai-Wochenende nahmen gleich sechs Flugschüler an einem Training teil, das genau auf diese Fähigkeiten abzielt. Das Wetter, das für schnelle oder große Flüge wenig hergab, war ideal, um mit dem fliegerischen Nachwuchs zu üben.

Vor dem Start gibt es die letzten Instruktionen für die Flugschüler.

Sowohl der Freitag als auch der Samstag starteten wettertechnisch zäh. So flogen Sebastian Gottschlich und Nathan Mlambo mit ihren Fluglehrern Christine Grote und Uli Gmelin in nur 900 Metern Abflughöhe los, um sich vorsichtig zu ihrem ersten Wendepunkt, dem Flugplatz Nienburg, vorzuarbeiten. Für alle Flüge wurden Strecken um die 150 Kilometer gewählt, da die Vielzahl neuer Anforderungen die Neulinge oft schon nach ein bis zwei Stunden deutlich ermüdet – und ist die Konzentration erst einmal weg, sinkt der Lerneffekt rapide.

Hinzu kam, dass alle Flüge im Team geflogen wurden. Fast jeder Aufwind musste also gemeinsam mit dem zweiten Doppelsitzer genutzt werden. Die Abstände und die Geschwindigkeit des anderen Flugzeugs im dreidimensionalen Raum richtig einzuschätzen, ist für Neulinge eine echte Herausforderung. Die Freitagsbesatzung bewältigte die Strecke, die nach Nienburg noch über den Wendepunkt Lübbecke Bahnhof zurückführte, bei ausschließlich Blauthermik mit einem Schnitt von 54 km/h.

Die Samstagcrew mit den Schülern Tim Ackmann und Lukas Konitz führte die Strecke den Wolken im Süden entgegen. Der erste Wendepunkt lag über dem Flugplatz Oerlinghausen, der zweite am Flugplatz Bohmte. Auch dieser Flug begann sehr schwach, und man musste äußerst vorsichtig in das nach Süden ansteigende Gelände vorfliegen, um nicht in Außenlandehöhe zu geraten. Nach Oerlinghausen wurden die Piloten jedoch mit Wolken belohnt, und nach der Wende in Bohmte „zündete“ das Wetter. Von dort aus war ein Endanflug von gut 50 Kilometern möglich. Die Schnittgeschwindigkeit lag mit 57 km/h etwas über der des Vortages – vor allem dank des langen Endanflugs ohne Kreisen.

Die Flugschüler checken vor dem Start ihre Flugzeuge.

Da der Tag noch jung war, machten sich Ben Mol und Lukas Weihmann sogar noch auf zu einer zweiten Runde. Während Lukas eine leicht abgewandelte Aufgabe ähnlicher Größe flog, beschränkten sich Mol und Grote auf ein Training in Platznähe.

Das mäßige Wetter am Sonntag erlaubte keine weiteren Überlandflüge, doch sowohl Ben Mol als auch Lukas Weihmann konnten bei den Fliegerfreunden in Bückeburg noch drei Starts und Landungen auf einem fremden Platz absolvieren, was ebenfalls ein Ausbildungselement ist.

So gingen drei Tage zu Ende, die neben der Fliegerei auch mit Briefings und Unterrichtseinheiten gefüllt waren – und das überaus erfolgreich. Sowohl die Schüler als auch ihre Lehrer blicken auf ein tolles, erlebnis- und lehrreiches Wochenende zurück und sind mit den Ergebnissen mehr als zufrieden.

Die Aufgaben werden in den Bordcomputer eingegeben.