Rückblick: Vorsicht, SC Auetal! Vor 23 Jahren Meister, doch im Pokalfinale gescheitert

Foto: Pokalfinale 2003 in Möllenbeck. Damals verlor der TuS Rehren A/O als klarer Favorit gegen den TSV Liekwegen mit 1:3.
Text von Ernst Siepmann / Fotos von Thorben Hemmler
Fußball. Kennen Sie das? Die aktuelle Lage kommt Ihnen unheimlich bekannt vor. Als hätte ein Zeitsprung Sie in die Vergangenheit befördert. Als wäre alles schon mal dagewesen! Sie stehen vor einer wichtigen Entscheidung. Doch dann passiert der gleiche Fehler wieder. Aller Erfahrungsschatz nichts wert. Erinnert an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Gefangen in der Zeitschleife, die alles wiederkehren lässt! Dem SC Auetal könnte es ähnlich gehen. Vor 23 Jahren wurde der SCA Meister. Sogar ungeschlagen. Marschierte als Favorit ins Kreispokalfinale. „Damals“ war 2003. Genau wie in der Gegenwart. Der Ausgang des Pokalfinales gefiel den Auetaler Fans hingegen überhaupt nicht.
Sucht man den SC Auetal in der Tabelle, wird dieser Name in der Saison 2002/03 nicht auftauchen. Den Club gab es in dieser Konstellation noch nicht. Daher herrschte nur ein Viertel Freude oder Trauer an der Aue. Gemeint ist bei den Jubelschreien der TuS Rehren A/O, der ungeschlagen Kreisliga-Meister wurde. Der andere Teil des heutigen SC Auetal, der TSV Kathrinhagen, kickte eine Klasse tiefer. Wurde Achter in der 1. Kreisklasse. Dann gab es noch den SV Hattendorf (1. Kreisklasse West, Neunter) und die TuSG Rolfshagen (2. Kreisklasse West, Fünfter). Die beiden letztgenannten Clubs aus dem Auetal bestehen noch. Präsentieren sich aber „fußballfrei“ und schleudern Boulekugeln oder hängen in den Seilen, sprich turnen.

Zurück zum TuS Rehren A/O. Der wurde 2003 Meister in der Kreisliga. Zehn Punkte vor Verfolger TSV Algesdorf. Der Weg ins Kreispokalfinale könnte als Thema den alten Western-Klassiker vorweisen: „Leichen pflastern seinen Weg“ (1968). In der Hauptrolle Klaus Kinski. Klingt recht brutal? Abwarten! 1. Runde: 7:6 gegen VfL Bückeburg III nach Elfmeterschießen. Die „Dritte“ gibt’s in Bückeburg schon lange nicht mehr. 2. Runde: 2:0 beim VfB Rinteln, der vor Urzeiten über die Weser gegangen ist. SCA-Trainer Marco Gregor besitzt gewaltige Pokalerfahrung. Er saß tatsächlich damals auf der Trainerbank des Gegners VfB. „Verrückt“, so der Auetaler Coach, „an dieses Spiel kann ich mich gar nicht mehr erinnern.“ Kein Wunder, denn Gregor dürfte mittlerweile fast 1.000 Spiele von der Trainerbank erlebt haben. 3. Runde: 8:2 gegen Juventus Obernkirchen. Die nächste „Leiche“, auch der Verein ist platt.

Duplizieren wir das in die Gegenwart: Gibt es in 23 Jahren noch den SV Obernkirchen (1. Runde 2025/26, 2:1 für Auetal), den FC Stadthagen (4:3 nach Elfmeterschießen), TuS Lüdersfeld (4:1, solider SCA-Sieg) oder den TSV Steinbergen (6:5 nach Elfmeterschießen)? Oder ist bei all dem Spielerschwund bis 2049 eine Fusionswelle vollendet? Erwartet die SG Unterschaumburg dann Mittelschaumburg und am nächsten Sonntag Oberschaumburg? Um auf 30 Spiele pro Saison zu kommen, spielt dann jeder 15-mal gegen den Anderen? Paradox. Doch nichts ist in Stein gemeißelt. Den TuS Rehren A/O gibt es in dieser Form ja auch nicht mehr.
Nach einem Heimsieg gegen Bückeberge (4:1, Viertelfinale) und dem Erfolg auswärts in Hevesen (2:1) standen die Rehrener im Endspiel. Thorben Hemmler, lange für den TuS Rehren aktiv und heute Trainer der Auetaler D-Jugend, erinnert sich: „Der Weg ins Finale war steinig, und wir mussten einige Höhen und Tiefen überstehen. Phasenweise waren wir sehr dominant, in anderen Spielen taten wir uns dagegen überraschend schwer. Dennoch war der Finaleinzug absolut verdient und zugleich etwas ganz Besonderes, denn der TuS hatte zuvor noch nie in einem Pokalfinale gestanden.

Ähnlich wie unsere 1. Herren in dieser Saison wollten wir damals unbedingt das Double holen und fühlten uns eigentlich gut vorbereitet. Leider hat es am Ende nicht gereicht, was aus meiner Sicht an vielen kleinen Faktoren lag. Wir mussten mit einer etwas veränderten Startelf ins Rennen gehen, da Stefan Evert und Jens Hahne in der Abwehr fehlten und sich Thomas Meyer im Spiel in Rehren A/R verletzt hatte. Jörg Wellhausen rückte damals als Libero nach und erledigte seine Aufgabe fehlerfrei.
Ich erinnere mich auch noch daran, dass leider nicht so viele Rehrener Fans mit nach Möllenbeck reisen konnten, da zeitgleich eine Hochzeit in Rehren stattfand, zu der viele eingeladen waren. Hinzu kam, dass sich viele in den Pfingstferien befanden. Wenn ich mir heute alte Fotos anschaue, fällt außerdem auf, dass das Pokalfinale damals generell nicht so gut besucht war wie heute. Wenn ich sehe, dass wir am Samstag allein schon mit zwei organisierten Bussen anreisen, ist das eine ganz andere Dimension.

Zudem nutzten wir unsere Torchancen nicht konsequent aus. In der Summe führte das dazu, dass wir das Spiel verloren. Liekwegen war an diesem Tag einfach ein Stück besser und hat verdient gewonnen.
Trotzdem denke ich sehr gerne an die Saison 2003 zurück, weil damals einfach alles gepasst hat: Spaß, Teamgeist und sportlicher Erfolg. Die Mischung aus Eigengewächsen und eingekauften Spielern entwickelte sich schnell zu einer homogenen Mannschaft. Die Fans, der Verein und vor allem unsere Partner haben uns jederzeit tatkräftig unterstützt.
Genau diesen Zusammenhalt erkenne ich aktuell auch bei unserer 1. Herren wieder. Die Mentalität der Mannschaft, gepaart mit der Finalerfahrung einiger Spieler und der großartigen Unterstützung der Fans, könnte das Double diesmal perfekt machen. Ich bin auf jeden Fall als Unterstützer dabei.“

Soweit das Rehrener Urgestein. Fürs Finale 2003 wurde dem Vorgängerverein des SC Auetal die Favoritenrolle übergestülpt. Doch es lief anders. Ein gewisser Sascha Schmidt brachte den Gegner TSV Liekwegen (gibt es in dieser Form auch nicht mehr) mit 2:0 in Front (50., 72. Minute). Hakan Kamali sorgte zwar per Foulelfmeter für den Anschlusstreffer (75.). Der anschließende Dauerdruck der Auetaler brachte nichts. Stephan Wagner markierte kurz vor Spielende das 3:1. Dieser Wagner ist auch heute noch für Liekwegen am Ball, Die Kugel fällt jedoch weit kleiner aus, ist filziger, wird mit dem Tennisschläger verprügelt.
Was lernen wir als Fazit der Geschichte: Als Meister wirst du nicht im Schongang auch Pokalsieger. Viel Arbeit und ein Quäntchen Glück gehören auch dazu. Der Gegner heute, der TSV Eintracht Exten, wird sich zu wehren wissen. Damals hatte der TSV Liekwegen es geschafft. Spielt Exten das „grüßende Murmeltier“, vollbringt das gleiche Kunststück morgen?

Aufstellung im Kreispokalfinale 2003 (7.6.2003 in Möllenbeck):
TSV Liekwegen: Zuschlag, Scheffel, Schulte, Jens Dralle, Fauth, Wagner, Ostermeier (62. Giesker), Steinberg, Wanjura, Kachel (40. Schmidt), Torsten Dralle (82. Möller). Trainer: Jens Cording
TuS Rehren A/O: Müller, Möller, Wichmann, Manolis, Wellhausen, Haase (85. Hemmler), Anke, Baule, Thies, Kamali, Pokrajcic. Trainer: Ingmar Haase
Schiedsrichter: Gerd Hillmann (SC Möllenbeck). SR-Assistenten: Ralf Krömer (FC Hevesen) + Mehmet Kavsara (TSV Eintracht Exten)
Besonderheit: Ralf Krömer ist auch beim Pokalfinale 2026 dabei, als 4. Offizieller.
